Gedankengemüse – Antisemitismus

Antisemitismus

Der Begriff Antisemitismus bezeichnet die Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden, die sich in negativen Einstellungen, Stereotypen, Diskriminierungen und Gewalttaten äußern kann. Antisemitismus tritt in vielfältigen historischen Kontexten auf. Er ist zugleich individuelles Vorurteil, kollektives Denkmuster und gesellschaftliches Machtinstrument (vgl. Benz 2004).

Die Ursprünge des Antisemitismus gehen vor allem auf die Entstehung des Christentums und einer damit einhergehenden Judenfeindschaft zurück, die Jüdinnen und Juden als „Christusmörder“ diffamierte. Diese religiös motivierte Judenfeindschaft, auch als Antijudaismus bezeichnet, prägte das Leben von Jüdinnen und Juden und machte sie zu Opfern von Gewalt, Vertreibung und Verschwörungsmythen. Im 19. Jahrhundert entstand dann eine neue Form des Antisemitismus, die sich in einer rassistisch begründeten Ablehnung zeigte und wissenschaftlich gerechtfertigt wurde. In dieser neuen Form des Antisemitismus wurden Jüdinnen und Juden nicht mehr primär über ihre Religion definiert, sondern als „Rasse“. Die nationalsozialistische Ideologie des 20. Jahrhunderts radikalisierte diesen rassistischen Antisemitismus und mündete in ein Vernichtungsprogramm der Nationalsozialisten, welches die Ermordung von etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden zur Folge hatte.

Heute tritt Antisemitismus in unterschiedlichen Formen auf: religiös, rassistisch, sozial oder verschwörungsmythisch. Gemeinsam ist allen Formen, dass sie Jüdinnen und Juden Eigenschaften zuschreiben, die sie homogenisieren und abwerten. Besonders wirkmächtig ist die Vorstellung einer angeblichen jüdischen Macht über Wirtschaft, Politik oder Medien, die bis heute in zahlreichen Verschwörungserzählungen reproduziert wird. Diese Stereotype erfüllen gesellschaftliche Funktionen, indem sie komplexe Probleme auf eine „Schuldgruppe“ reduzieren und so einfache Erklärungen für Krisen und Umbrüche liefern (vgl. Salzborn 2020).

Die Bekämpfung von Antisemitismus erfordert ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen. Bildungsarbeit spielt eine zentrale Rolle, um historische Kenntnisse zu vermitteln und Stereotype kritisch zu reflektieren. Erinnerungskultur – etwa durch Gedenkstätten und Denkmäler sind hierbei ein wichtiger Teil in der Auseinandersetzung und historischen Aufarbeitung von Antisemitismus. Juristische Maßnahmen wie die Strafverfolgung antisemitischer Straftaten sind hierbei wichtig und notwendig.  Die Bekämpfung von Antisemitismus wird außerdem durch das zivilgesellschaftliche Engagement, sowie durch Projekte, Initiativen und Netzwerke vorangetrieben. Ziel ist es, nicht nur antisemitische Einstellungen zu sanktionieren, sondern langfristig ein kritisches Bewusstsein für Antisemitismus, seinen Erscheinungsformen und seinem heutigen wirken zu entwickeln.

 

 

Quellen

Benz, Wolfgang (2004): Was ist Antisemitismus? München: C.H. Beck.

Salzborn, Samuel (2020): Globaler Antisemitismus. Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne. Weinheim: Beltz Juventa.

Bundeszentrale für politische Bildung (2006): Was heißt Antisemitismus? URL: https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/37945/was-heisst-antisemitismus/

Rosa-Luxemburg-Stiftung (2025): Was ist eigentlich Antisemitismus? URL: https://www.rosalux.de/news/id/53522/was-ist-eigentlich-antisemitismus?gad_source=1&gad_campaignid=22273266229&gclid=CjwKCAjwlOrFBhBaEiwAw4bYDVO_JBsERg5nnDoxDkH0Q3ptv5TuOr7X7GbfsfxsEmHtg6FQUBv0oRoCCsIQAvD_BwE