Gedankengemüse – Adultismus

Adultismus
Unter Adultismus versteht man die Diskriminierung und Abwertung von Kindern aufgrund ihres jungen Alters. Adultismus geht in den meisten Fällen von Erwachsenen (adult = Erwachsene:r) aus, kann aber auch durch ältere Kinder oder Jugendliche erfolgen.

Zwischen Erwachsenen und Kindern besteht oft ein Machtungleichgewicht. Erwachsene fühlen sich überlegen, weil sie mehr Erfahrung und Lebensjahre haben. Hinzu kommen pauschale Vorannahmen über Kinder. Daraus resultiert, dass Erwachsene oftmals Kinder bevormunden oder auf Eigenschaften/Wissen/Fähigkeiten reduzieren, die sie dem Kind zutrauen. Dies geschieht in verschiedenen Institutionen, wie unter anderem in der Kita, dem Kindergarten oder der Schule, aber auch in der Familie oder durch fremde Erwachsene. In Kitas oder Schulen zeigt sich Adultismus z. B. durch fehlende Mitbestimmung. Kinder haben wenig Einfluss auf Tagesabläufe, Regeln oder Raumgestaltung. Zusätzlich werden Kindern oftmals Wünsche oder Fähigkeiten abgesprochen oder aber Grenzen, die ein Kind versucht zu setzen, nicht ernst genommen und überschritten. Ein Beispiel hierfür könnte eine Umarmung oder ein Kuss auf die Wange sein, die ein Familienmitglied einfordert, ein Kind aber nicht geben möchte. Wenn anschließend auf das Kind, was eventuell eine abwehrende Körperhaltung eingenommen oder sich sprachlich dagegen geäußert hat, so lange eingeredet wird, bis es die Umarmung oder den Kuss gibt, handelt es sich hierbei um eine Missachtung und Überschreitung der Grenzen.

Adultismus geschieht meist unbewusst und betrifft grundsätzlich alle Kinder. Gleichzeitig ist anzunehmen, dass auch alle Erwachsenen Adultismus erfahren haben, da sie selbst einmal Kinder waren. Oftmals wird Adultismus nicht als Diskriminierung erkannt, sondern mit Erziehung oder Fürsorge gleichgesetzt oder durch diese versucht zu legitimieren. Eine Reflektion des eigenen Verhaltens kann helfen, adultistische Strukturen zu erkennen und zu verändern. Einige Regeln, die nur für Kinder, aber nicht für Erwachsene gelten, können ebenso daraufhin hinterfragt werden, ob sie tatsächlich zum Schutz und Wohl des Kindes existieren oder eventuell aus Bequemlichkeit oder einem Überlegenheitsgedanken.

Auch in der Sprache lassen sich adultistische Strukturen und Denkweisen erkennen. Sich „kindisch“ zu verhalten ist oftmals negativ konnotiert und „Dafür bist du noch zu jung!“ wird oftmals als Ausrede verwendet, um eine Erklärung nicht geben zu müssen.

Da Adultismus eine der ersten Diskriminierungsformen ist, mit der Kinder konfrontiert werden, lernen sie darüber früh die Funktionsweise von Diskriminierung, Unterdrückung, Sanktionierung sowie die Existenz und den Erhalt von Machtstrukturen kennen.

 

Quellen

Richter, Sandra (o.J.): Adultismus: die erste erlebte Diskriminierungsform? Theoretische
Grundlagen und Praxisrelevanz. Abgerufen unter: https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_richter_2013.pdf [ zuletzt eingesehen am 09.09.2025].

Vielfalt. Mediathek (o.J.): Adultismus. URL: https://www.vielfalt-mediathek.de/adultismus-elementarpaedagogik#:~:text=Beispiele%20für%20adultistisches%20Verhalten%20reichen,Blicken%20der%20Erwachsenen%20untereinander%20in

AWO. Bundesverband e.V. (o.J.): Adultismus. Auseinandersetzung, Auswirkungen und Verwobenheit. URL: https://www.vielfalt-mediathek.de/wp-content/uploads/2021/03/AWO_DEVI_Adultismus_Themenblatt_vielfalt-mediathek.pdf