Gedankengemüse – Toxische Männlichkeit

Durch gefährliche Denk- und Verhaltensweisen schaden viele Männer nicht nur anderen, sondern auch sich selbst. Riskantes Autofahren, Mutproben, Sexismus, Gewalt…mit dem Begriff der „toxischen Männlichkeit“ („giftige Männlichkeit“) wird versucht, problematische Männlichkeitseinstellungen und Verhaltensweisen gegen insbesondere Frauen (und weitere marginalisierte Gruppen) zu kritisieren und ihnen entgegen zu wirken.

Gleichzeitig bietet der Begriff die Möglichkeit, sich viele der Verhaltensweisen zu erklären als eine giftige Reaktion von Männern gegen sich selbst und andere auf Normerwartungen, die an Männlichkeit in einer männerdominierten Gesellschaft gestellt werden. Damit sollen die Verhaltensweisen keinesfalls entschuldigt werden. Vielmehr eröffnet sich nun die Möglichkeit, Männern Wege aufzuzeigen, wie auch sie von einer Auflösung patriarchaler Strukturen profitieren könnten.

Zur Entstehung und Wirkung

Der Begriff „toxische Männlichkeit“ kommt ursprünglich aus der Soziologie in der Analyse und Beschreibung „hegemonialer Männlichkeit“. Das Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“ geht davon aus, dass die nach wie vor patriarchale Struktur unserer Gesellschaft sich vor allem über die Konstruktion und machtvolle Durchsetzung von dominanten Männlichkeitsbildern etabliert.

Dominante Männlichkeit drückt sich bei vielen Männern durch Härte nach außen und innen aus. Nach außen insbesondere durch Gewaltverhalten; nach innen oft dadurch, zu glauben, sie müssten immer alle Probleme lösen, statt auch einmal zu zweifeln und Rat zu suchen. Noch immer werden Männer bisweilen von außen abgestraft, wenn sie öffentlich weinen. Einige Männer halten dem Druck von außen und innen nicht stand. Rückzug (versteckte Einsamkeit) und Depressionen können die Folge sein. Die hohe Suizidrate bei Männern lässt sich teilweise durch die Unfähigkeit erklären, sich therapeutische Unterstützung zu holen, weil es als Eingeständnis von Handlungsohnmacht gesehen wird.

Giftiges Diskussionsklima entgiften

Wie bei vielen diskursiven Begriffen wird der Begriff je nach eigenen Grundannahmen und Zielen unterschiedlich gebraucht und teilweise missbraucht. So stellen sich beispielsweise einige Männer(gruppen) mithilfe des Begriffs „toxische Männlichkeit“ als reine Opfer der Geschlechtermachtverhältnisse dar. Aber es kann nicht darum gehen, Männer von ihrem privilegierten Status frei zu sprechen und sie aus der Verantwortung zu entlassen, sich beispielsweise klar gegen Sexismus zu positionieren.

Die ganze Gesellschaft profitiert davon, wenn (noch) mehr Männer Selbstachtsamkeit für ihr körperliches Wohlbefinden entwickeln, Warnsignale ernstnehmen und sich mit Vertraulichkeit und Fürsorge in Freundschaft, Partnerschaft und Vaterrolle anerkennend einbringen können und wollen.

Lesetipp zum Einstieg ins Thema

Jack Urwin | Boys don’t cry | https://edition-nautilus.de/programm/boys-dont-cry/

 

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